Feature: ARCTIC Accelero Twin Turbo 690 VGA-Kühler

Erst kürzlich präsentierte ARCTIC mit dem Accelero Twin Turbo 690 einen neuen Alternativ-Kühler für Nvidias aktuelles Kepler-Flaggschiff in Form der GTX 690. Das ausladende Doppel-Lüfter-Konstrukt basiert auf der bereits bekannten Kühlung für Dual-GPU-Grafikkarten des Schweizer Herstellers , wurde aber entsprechend an das PCB der GTX 690 angepasst. Was der neue Twin Turbo auf dem Geforce-Geschoss zu leisten vermag, soll dieses Review zeigen.


Nvidias Geforce GTX 690 ist die derzeit einzige Referenz-Grafikkarte mit zwei GPUs, die in 28-Nanometer-Strukturbreite gefertigt sind. Zum Einsatz kommen auf dem langen PCB zwei GK104-Chips, wie sie beispielsweise auch auf der GTX 680 zu finden sind. Nvidia musste jedoch die Taktraten der beiden GPUs auf 915 Megahertz reduzieren sowie die Spannungen senken, um das maximale TDP-Limit von 300 Watt nicht zu sprengen.

Nichtsdestotrotz schlummert in der GTX 690 ein ordentliches Overclocking-Potenzial, welches durch die Anhebung der Voltages noch weiter ausgeschöpft werden kann. Wie groß der Spielraum wiederum ausfällt, hängt von der Kühlung ab. Zwar kreierte Nvidia mit dem Referenzkühler ein optisch äußerst ansprechendes und hochwertiges Konstrukt, welches die beiden GPUs samt VRAM und MOSFETs auf einem akzeptablen Temperatur-Niveau hält, jedoch bei dem ein oder anderen Last-Zustand hörbar zu Werke geht. Diesen Umstand erkannte auch das Schweizer Unternehmen ARCTIC und legte den hauseigenen Twin-Turbo-Kühler erneut auf.

Der Kühler im Detail

Das neuste Modell des Herstellers setzt sich aus zwei Mono-Plus-Ablegern zusammen, welche lediglich über eine angepasste Grundplatte miteinander verbunden sind. Dementsprechend ist jede GPU von einer dedizierten Heatsink bedeckt, welche über je fünf 6-Millimeter-Heatpipes verfügt. Insgesamt 86 Alu-Finnen sorgen zusammen mit den beiden 120-Millimeter-PWM-Lüftern für die Abgabe der Abwärme an die Umgebungsluft. Letztere arbeiten in einem Drehzahlbereich von 400 bis 1.500 Umdrehungen. Die Lautstärke soll laut Hersteller nicht über maximal 0,4 Sone liegen. Mit all diesen Eigenschaften erreicht der Accelerator Twin Turbo 690 eine Kühlleistung von bis zu 400 Watt.

Die Grundplatte verbindet jedoch nicht nur die beiden Heatsinks miteinander, sondern ist auch für die Kühlung der VRAM-Bausteine zuständig. Ein zusätzlicher Alu-Block samt einer einfachen Finnen-Oberfläche hält die Spannungswandler und den PLX-Brücken-Chip auf niedriger Temperatur. Eine weitere Aufgabe, die die Grundplatte übernimmt, stellt die Stabilisierung des PCBs dar. Ohne das stabile Zwischenstück würde sich die Platine verbiegen und könnte so einen irreparablen Schaden nehmen.

Der Accelerator Twin Turbo 690 misst 288 x 138 x 50  Millimeter und entspricht daher der Dual-Slot-Bauweise. Das Gewicht wird von ARCTIC mit 805 Gramm angegeben.

Lieferumfang & Verpackung

Das Zubehörpaket beinhaltet alles, was nötig ist, um den Accelero Twin Turbo 690 auf der Grafikkarte und im System zu positionieren: Neben dem obligatorischen Montage-Material, stecken eine Installationsanleitung, die hauseigenen MX-4-Wärmeleitpaste und vier Schaumstoffsäulen im Karton. Letztere können bei eingebauter Grafikkarte samt Kühler als Abstandshalter respektive Stabilisierung dienen.

Die Verpackung des ARCTIC-Kühlers kommt im gewohnten Gewand daher. Es dominieren die Farben Blau und Weiß. Auf der Schachtel selbst sind zahlreiche Abbildungen sowie Informationen zu Features und Spezifikationen des Twin Turbo 690 abgedruckt.

Montage

Die Montage des ARCTIC Accelero Twin Turbo 690 gestaltet sich mit dem passenden Werkzeug recht simpel. Zunächst muss die GTX 690 von ihrem Referenz-Kühler befreit werden. Dazu sind ein normaler Kreuzschlitz- und ein Torx-Schraubendreher der Größe 6 nötig. Nachdem die insgesamt 21 Schrauben gelöst wurden, lässt sich das PCB vom Geforce-Kühler trennen. Wichtig hierbei ist, darauf zu achten, dass die Platine nicht unnötig stark gebogen wird.

Die "nackte" GTX 690 muss nun vorsichtig von den Resten der Wärmeleitpaste und der -Pads befreit werden. Die Speicher- und Spannungswandler-Chips gilt es anschliessend mit einem Radiergummi zu bearbeiten. Dadurch wird der Halt und die Wärmeleitfähigkeit der neuen Pads gewährleistet. Letztere sind laut ARCTIC zusammen mit den passenden Abstandshaltern der Schrauben auf der Grundplatte des Twin-Turbo-Kühlers an den vorgegebene Stellen anzubringen. Glücklicherweise sieht der Hersteller von der Beigabe des Zwei-Komponenten-Wärmeleitklebers mit der Bezeichnung "G-1" ab und legt konventionelle Wärmeleit-Pads bei, was den Montageaufwand drastisch verringert. 

Vor der Bestückung des Kühlers, sollte jedoch der Lüfteranschluss des Accelero mit der GTX 690 verbunden werden, da ansonsten die angebrachten Teile leicht abfallen können oder der Fan-Connector nur noch schwer zu erreichen ist.

Der letzte Schritt, der nötig ist, um das PCB mit dem Kühler zu vereinen, liegt im Auftragen der Wärmeleitpaste. Die mitgelieferte ARCTIC MX-4 lässt sich dank ihrer geschmeidigen Konsistenz einfach und problemlos verarbeiten. Dabei ist es jedem selbst überlassen, ob die Wärmeleitpaste punktuell oder breit verstrichen aufgetragen wird.

Nachdem die GTX 690 auf dem Kühler liegt, können die Schrauben eingedreht werden. Zu beachten ist laut Hersteller, dass die etwas längeren Schrauben zuerst in den dedizierten Alu-Block gedreht werden. Dann erst folgt die Verbindung aller weiteren Schrauben mit der Grundplatte.

Nach der Installation des Accerlero Twin Turbo 690 werden dessen Ausmaße sichtbar. Zwar nimmt der Kühler nur zwei Slots in Beschlag, breitet sich jedoch im eingebauten Zustand zum Seitenteil hin aus. Rund 14 Zentimeter in der Breite genehmigt sich das ARCTIC-Konstrukt, was einem Plus von 4 Zentimetern zum Referenz-Kühler bedeutet. Die Länge der GTX 690 ändert sich durch den Umbau nur marginal. Insgesamt werden knapp 30 Zentimeter in Anspruch genommen.

Temperaturen & Lautstärke

Vor und nach der Montage des Accelero Twin Turbo 690 musste die GTX 690 verschiedene Szenarien auf unserem Testsystem durchlaufen. Neben dem Windows-Idle-Modus dienten auch ein 60-minütiger Crysis-Warhead-Loop sowie Furmark als typische Last-Situation. Dabei haben wir die Temperaturen und die Lautstärke ermittelt. Die Messung der Geräuschkulisse erfolgte aus 50 Zentimetern Abstand. Folgende Werte waren das Resultat:

TemperaturenReferenz-KühlerAccelero Twin Turbo 690
Windows Idle27 °C24 °C
Game (Crysis-Warhead-Loop)75 °C55 °C
Volllast (Furmark)82 °C60 °C

Der Accelero Twin Turbo 690 kühlt die beiden GPUs der GTX 690 souverän herunter. Im Spiele-Benchmark wagten sich beide Grafik-Chips nicht über 55 Grad Celsius hinaus. Kaum wärmer wurde der Pixelbeschleuniger unter der eher alltagsfernen Volllast mit Furmark 3D.

LautstärkeReferenz-KühlerAccelero Twin Turbo 690
Windows Idle31,5 dB(A)
29,9 dB(A)
Game (Crysis-Warhead-Loop)44,8 dB(A)
33,9 dB(A)
Volllast (Furmark)47,5 dB(A)
34,6 dB(A)

Doch wer jetzt denkt, dass sich ARCTIC die hervorragenden Temperaturwerte durch eine hohe Lautstärke erkauft, der irrt. In allen drei Test-Szenarien bleibt die Grafikkarte mit dem Twin Turbo 690 unhörbar. Selbst unter voller Auslastung wird die 35-dB(A)-Marke nicht geknackt. Gegenüber dem Stock-Kühler fallen die ermittelten Ergebnisse wirklich überzeugend aus.

Aufgrund der guten Kühl-Performance und der niedrigen Geräuschkulisse, bietet der Acceler Twin Turbo 690 ein deutlich höheres Potenzial für weiteres, etwaiges Overclocking samt Sapnnungserhöhung gegenüber dem Standardkühler. Selbst mit einer Drehzahl von 100 Prozent werkelt der ARCTIC-Spross mit gemessenen 39,2 dB(A) in einem recht niedrigen Lautstärkebereich. Die Kühlleistung steigt logischerweise bei voller Lüftergeschwindigkeit enorm.

Fazit

Wie bereits gewohnt, liefert ARCTIC mit dem Accelero Twin Turbo 690 ein leistungsfähiges Kühlkonstrukt für Nvidias aktuelles Flaggschiff in Form der GTX 690 ab. Neben der bereits erwähnten, hohen Performance zeichnet sich der neuste Sprössling der Schweizer durch einen geräuscharmen Betrieb und eine einfache Montage aus. Letzteres wird im Gegensatz zu einigen anderen Modellen aus selben Hause durch den Verzicht auf den teilweise schwierig zu handhabenden Zwei-Komponenten-Kleber mit der Bezeichnung "G-1" erreicht. Die herkömmlichen Wärmeleit-Pads lassen sich deutlich einfacher verarbeiten respektive anbringen und benötigen keine Trocknungsphase. Nichtsdestotrotz wurde der Accelero Twin Turbo 690 einzig und allein für die GTX 690 entwickelt, wodurch zu anderen Grafikkarten keine Kompatibilität besteht. Zudem sollten sich die Besitzer einer GTX 690 wirklich überlegen, ob sie den doch recht hübschen und qualitativ hochwertigen Stock-Kühler gegen das Konstrukt von ARCTIC tauschen möchten. Zwar erhält der Nutzer durch den Umbau eine nahezu lautlose Dual-GPU-Grafikkarte, die durch die hervorragende Kühlung des Twin Turbo unter Umständen länger lebt und mehr OC-Potenzial bietet, aber dennoch den besonderen Status als Eyecatcher verliert.

Alles in allem liefert ARCTIC ein hervorragendes Accelero-Modell ab, was jedoch sehr speziell auf eine Grafikkarte zugeschnitten ist. Dazu kommt, dass der Twin Turbo 690 zwar gut verarbeitet ist, dennoch sehr "einfach" wirkt und daher optisch dem Geforce-Kühler nicht das Wasser reichen kann. Wer jedoch auf das Design keinen Wert legt und auf absolute Performance ohne hohe Lautstärkeentwicklung aus ist, sollte beim jüngsten ARCTIC-Kühler ohne zu überlegen zugreifen. 

Der Accelero Twin Turbo 690 ist weder bei Amazon, noch bei Geizhals gelistet, sollte aber das Preisniveau des Ablegers für die Radeon HD 6990 erreichen. Derzeit kostet das zuletzt genannte Modell rund 70 Euro.

Kommentare

Die Arctic Kühlersind Top. Zwar optisch nicht die schönste aber sonst stimmt alles.
Das Montieren ist bei der 690 wahrscheinlich noch spaßiger, wegen den 2 GPU's.
Aber das Montieren ist generell nicht schwierig, habe ein Kühler schon auf einer EVGA 680 verbaut.

geschrieben am 02.10.2012 um 15:51 Uhr

Die Werte des Kühlers sind wirklich gut aber ich würde aufgrund des Kaufpreises der Karte doch überlegen ob ich die Garantie des Herstellers damit vorzeitig beende. Denn falls ein Fehler auftritt bleibe ich auf defekten Karte sitzen und kann mir eine neue kaufen. Das wäre nicht wirklich in meinem sinne. :)

geschrieben am 02.10.2012 um 17:17 Uhr

Schönes Review und schönes Produkt, aber ich denke mal, wer sich eine GTX690 leisten kann, die Lautstärke und die Temperaturen senken will, hat eh ne Wakü im Rechner...

geschrieben am 03.10.2012 um 16:21 Uhr

Schöne Review! Warum ne Wakü? Für 2 Grad ne ganze Ecke mehr bezahlen find ich nich gut. Die Ergebnisse hier sind schon überzeugend.

geschrieben am 17.10.2012 um 10:58 Uhr

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